Raum der Geschichte - Historische Vorträge


Fünf halbstündige Einführungen geben Einblicke, erzählen Geschichten und zeigen Spuren evangelischen Lebens in Oberösterreich von 1517-2017

  •  „Die Reformation – Durchbruch für die Dynamis des Evangeliums“: Mag. Waltraud Mitteregger, Pfarrerin
    Angst vor dem Fegefeuer, schwunghafter Ablasshandel, Missstände in der Kirche, … Die Durchschlagskraft der Reformation lässt sich nicht allein aus den äußeren Umständen der Zeit erklären, sondern sie gründet in der Kraft des Evangeliums. Diese Kraft bezeichnet Paulus als das „Dynamit Gottes“. Diese Dynamis hat ihren Ursprung in der Gnade und Erlösung durch Jesus Christus. Wer von dieser Kraft ergriffen wird, dessen Herz wird grundlegend verändert.
    Diese Kraft, die hinter den 95 Thesen von Martin Luther steckt, will uns heute genauso wie vor 500 Jahren anstecken, unseren Glauben zu re-formieren.

  • Gegenreformation: Mag. Matthias Bukovics, Pfarrer

    „Nachdem erste reformatorische Strömungen in Oberösterreich Fuß gefasst haben, schlug die Gegenreformation voll zu. Evangelische konnten ihren Glauben nicht mehr leben und durften keine Gottesdienste mehr feiern. Schließlich brauste der Bauernkrieg über Oberösterreich. Dörfer wurden geplündert und niedergebrannt. Alles in Allem eine dunkle Zeit, gerade für die Evangelischen. Manche Auswirkungen spüren wir noch heute in den Seelen der Evangelischen in Oberösterreich.

    In dieser halben Stunde wollen wir diese dunkle Zeit beleuchten, und verstehen, wie die Evangelischen diese schwere Zeit überstehen konnten.“

  •  „Die Bücher haben uns Licht gegeben!“ Einblicke in das Leben der Geheimprotestanten: Mag. Andreas Hochmeir, Senior

    „Verwurzelt über Generationen mit Heimat und Glaube stehen die Evangelischen 1624 vor einer schweren Entscheidung: auswandern oder wieder katholisch werden. Einige entschließen sich, die Heimat nicht zu verlassen und offiziell katholisch zu sein. Im Geheimen geben sie den evangelischen Glauben jedoch nicht auf – der Geheimprotestantismus entsteht. Nach dem Erlass des Toleranzpatentes 1781 – rund 150 Jahre später – lassen sich in Oberösterreich 11.000 als Evangelische registrieren.
    Wodurch war es möglich, dass der Protestantismus ohne Pfarrer, Lehrer, Kirchen und Schulen im Geheimen überlebte? Was waren die Voraussetzungen und Bedingungen des glaubenstreuen Überlebens im Untergrund? Welche Spuren haben Geheimprotestantinnen und Geheimprotestanten hinterlassen?“

  •  „Von geduldeten Gemeinden zur respektierten Kirche. Toleranzzeit und 19. Jahrhundert“: Konsulent Mag. Günter Merz, Wissenschaftlicher Leiter Evang. Museum OÖ
    Kaum hatte sich die Nachricht von der verkündeten Duldung der Evangelischen in Oberösterreich herumgesprochen, organisierten Frauen und Männer Andachten in Privathäusern, Gottesdienstbesuche in Ortenburg und den Aufbau von Gemeinden. So viel Freiheit war den Behörden gar nicht recht.  

 

  • Gemeinden und Schulen durften gegründet werden, aber strenge Auflagen setzten dem Engagement der Evangelischen enge Grenzen. Was nicht den Normen entsprach, schien verdächtig und gefährlich, ganz gleich, ob es sich dabei um Lieder, private Zusammenkünfte oder ungewohnte theologische Vorstellungen handelte. Erst die Erschütterung der österreichischen Monarchie durch revolutionäre Bewegungen und verlorene Kriege zwangen die Regierung dazu, den Menschen mehr Freiheiten zu gewähren – auch den evangelischen Gemeinde, die nun langsam zu einer sich selbst verwaltenden Kirche zusammenwachsen konnten.

  •  „Protestantengeschichte zwischen Kaiserkrone und facebook: Das rasante 20. Jahrhundert“: Mag. Leonhard Jungwirth, Universitätsassistent
    "Keinesfalls spurlos zogen die letzten hundert Jahre der bewegten europäischen und globalen Geschichte an den österreichischen Protestantinnen und Protestanten vorüber: Seit dem Zerfall der Habsburgermonarchie änderte die Evangelische Kirche - über die traumatisierenden und bewegenden Zeiten des autoritären Ständestaates und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hinweg - ihr Gesicht auch nach 1945 etliche Male. Die Evangelische Kirche musste sich im neuen Österreich neu finden und ihren Auftrag neu begründen. Tiefgehende theologische und ethische Konflikte durchzogen die innerkirchlichen Reihen, als v. a. ab 1968 auch die Kirche vom gesamtgesellschaftlichen Wandel erfasst wurde. Manche sind bis heute nicht ausgestanden..."
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